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Unterwegs mit der Milagros von Pati und Fidu.

Teil 3: Crewing auf der Milagros

Eigentlich war der dritte Teil des Trips mit der Milagros so gesehen auch eine Geburtstagsreise. Sie begann am 8. November mit meinem 30igsten Geburtstag in La Paz und endete mit Davids 33igsten am 20. November in Puerto Peñasco. Dazwischen haben wir wieder einiges erlebt und entdeckt.

La Paz – die Kanaleinfahrt

Auf die Einfahrt in den Kanal von La Paz haben wir uns vorbildlich mit einer Pilotage vorbereitet. David und ich haben beide von Hand einen detailgetreuen Plan mit allen Bojen, Tiefen, Kursen und Distanzen gemalt. Bei der Einfahrt mussten wir dann aber feststellen, dass unsere Pläne semioptimal waren. Nur dank Feldstecher und Navionics haben wir schlussendlich die richtigen Kurse gefunden und uns durchnavigiert. In Echt waren die Distanzen zu den Bojen plötzlich ganz anders als wir meinten…

Marina de la Paz.

Marinaleben

Es war geplant, die nächsten 5 Tage in der Marina de la Paz zu verbringen, um wieder ein geeignetes Wetterfenster für die Fahrt in den Norden abzuwarten. Wir gewöhnten uns schnell wieder ins Marinaleben ein und genossen die schier endlos wirkenden Warmwasserduschen. Überraschend waren auch unsere Nachbarn mit den kleinen Zwillingssöhnen. Wie sich herausstellte sind sie Teil des Familienunternehmens, welches den Hydrovane herstellt. Der Hydrovane ist unser geliebter windgesteuerter, mechanischer Autopilot. Glücklicherweise waren auf Anila, sowie auf Milagros, beim Kauf bereits jeweils ein Modell installiert.

Eine der typischen Gussfiguren am Malécon in La Paz.

Carmens 30igster

Wer hätte jemals gedacht, dass ich meinen 30igsten Geburtstag auf einem Segelschiff feiern werde und das erst noch in Mexiko!? Ich auf jeden Fall nicht… Wie es der Zufall wollte, war die Familie Hampl (Claudia, Héctor, seine Eltern und die Kinder) zur gleichen Zeit in Cabos/La Paz. Es war ein Tagesausflug mit einem Motorboot zur Bahia Balandra geplant. Leider konnten wir kurzfristig nicht mitfahren, weil die Covidbeschränkungen des Vermieters keine grösseren Gruppen zuliessen. Kurze Planänderung und Iñaki und ich gingen in der Stadt spazieren. Die Stadt ist wunderbar grün und hat neben dem schönen Malécon viele kleine Strassen mit Palmen und Cafés zum Verweilen. Am mercado central haben wir uns für sechs Franken eine Crevettensuppe geteilt und sind dann gemütlich zur Marina zurückspaziert.

Fiesta Selfie

Am Abend wurden wir von den Hampls zum Festschmaus ins Restaurant Bismarckcito eingeladen. Es gab Bier, Muscheln und Meeresfrüchte Cocktails bis zum Abwinken. Sogar eine Mariachiband wurde an den Tisch geholt und ich konnte mir meine liebsten mexikanischen Lieder wünschen. Fünf Stunden später verabschiedeten wir uns wieder und gingen glücklich und zufrieden ins Bett.

Nächster Halt: Santa Rosalìa

Als das Wetterfenster stimmte und nur wenig Wind aus Richtung Norden wehte, frästen wir los. Nächstes Ziel soll Santa Rosalìa sein. Dort gibt es eine Tankstelle und eine schnuckelige Marina. Der Motor schnurrte und fuhr uns verlässlich durch die spiegelglatte Sea of Cortez. Da wir nun im Innern zwischen Halbinsel und Festland waren, gab es auch keinen pazifischen Schwell mehr, der grosse Wellen verursachen könnte. Unterwegs wurden wir von einer Armada Delfinen überholt und ich glaube sogar 4 schlafende Pilotwale gesehen zu haben. Ansonsten blieb die Fahrt unaufgeregt. Also ausser dass der Motor 60h am Stück lief und uns davon die Ohren brummten.

Ohne Wellen kann ich sogar lesen an Bord.

Das kleine Städtchen Santa Rosalìa und die dortige Marina haben uns ebenfalls überrascht. Geprägt vom Kupfer- und Gipsabbau beginnend Ende 19. Jahrhundert und den damit verbundenen verschiedenen europäischen und chinesischen Einflüssen, war das Städtchen mit lauter farbigen Holzhäuschen in ein Seitental gebaut. Entlang der Küste befinden sich die alten, stillgelegten Erzraffinerien und Erzsilos. Die Strände waren wunderbar wild und leer mit schwarzem Sand aus Obsidianstein.

Stillgelegte Kupferfabrik.

Das Ende naht: Puerto Peñasco

Das Wetter meinte es gut mit uns und bereits nach zwei Tagen in Santa Rosalìa konnten wir den Motor wieder starten, um die letzten 50 Stunden Überfahrt in Angriff zu nehmen. Wieder ging die Fahrt ohne Probleme von statten. Der Motor verbraucht wirklich nur 3 Liter Diesel pro Stunde und reicht deshalb längst für die von uns geplanten Strecken ohne Wind. So kam es dann auch, dass wir auf einem Kurs, gerade Strecke, bis nach Peñasco fuhren.

Am Tag des Auswassern feierten wir nebenbei noch Davids 33. Geburtstag, gingen auf kleine Erkundungstour in der Stadt und sassen Abends noch am Feuer mit den anderen Seglern auf dem Trockenplatz.

Travelift vom Cabrales Boatyard.

Bekannt ist Puerto Peñasco vor allem bei den ArizonianerInnen und ist auch unter dem Namen «Arizona Beach» bekannt. Weil die amerikanische Grenze mit dem Auto nur eine Stunde entfernt ist, ist der dortige Cabrales Boatyard bei den AmerikanerInnen sehr beliebt um das Schiff auf den Trockenplatz zu stellen. Die Stadt selber hat schon bessere Zeiten erlebt.

Die bis anhin vorherrschende Shrimpindustrie geht aufgrund der sinkenden Bestände stetig zurück. Langsam werden auch immer weniger Fischerlizenzen ausgegeben und grosse Teile des nördlichen Golfs zu Schutzzonen ausgewiesen. Dies zum Leidwesen der Fischer und ihren Familien. Auch hier besteht eine höchst komplexe Problematik zwischen Naturschutz, Wirtschaftlichkeit und gesellschaftlicher Entwicklung.

Hasta luego David, hasta luego Milagros!

Nach einer Woche auf dem Trockenplatz machten Iñaki und ich uns wieder auf den Weg in Richtung Guaymas zu Anila. David packt noch seine restlichen Sachen und flog danach für zwei Monate in die Schweiz zurück. Ab dem Januar 2021 werden Patricia, meine Schwester, und David die Milagros startklar machen. Wir hoffen, dass sie im Juli 2021 bereit sind, gemeinsam mit uns zusammen die Sea of Cortez zu entdecken und die grosse Reise zu starten.

David am Steuer – alles im Blick.

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